Der Zahlungsplan beginnt beim freien Cashflow, nicht beim Gewinn
Ein positives Jahresergebnis ist keine verfügbare Kasse. Für eine Geschwisterabfindung braucht es eine Liquiditätsvorschau, die Löhne, Lieferanten, Steuern, Kreditdienst, Investitionen, saisonale Schwankungen und einen betrieblichen Sicherheitspuffer enthält. Erst der danach verbleibende Betrag kann als realistische Grundlage für Anfangszahlung und Raten dienen.
In der Praxis bewährt sich häufig eine Kombination aus begrenzter Anfangszahlung und festen Raten. Der Vertrag sollte nicht nur Betrag und Fälligkeit nennen. Er braucht eine klare Verzinsung, einen Endtermin, Regeln für freiwillige Sonderzahlungen sowie objektive Folgen, wenn ein definierter Liquiditätsengpass eintritt. Eine völlig offene Formulierung wie Zahlung, sobald es dem Unternehmen besser geht, verschiebt den Familienkonflikt nur in die Zukunft.
Variable Bestandteile können sinnvoll sein, wenn der Kaufpreis von einer unsicheren Entwicklung abhängt. Sie müssen aber an überprüfbare Kennzahlen anknüpfen und dürfen nicht vom freien Ermessen des aktiven Nachfolgers abhängen. Bei Geschwistern ist außerdem zu bedenken, dass ein jahrelanger Earn-out intensive Informationsrechte und wiederkehrende Diskussionen über Bilanzierung auslösen kann. Ein klarer Ratenplan ist oft konfliktärmer als eine komplexe Erfolgsbeteiligung.
Banken sollten früh eingebunden werden, wenn Kreditverträge Ausschüttungen, zusätzliche Verschuldung oder Sicherheiten begrenzen. Eine hohe Anfangszahlung, die nur durch den Verbrauch der Betriebsmittellinie möglich wird, schützt die Liquidität nicht. Sie verschiebt das Problem auf Lieferanten, Arbeitnehmer und den nächsten Investitionszyklus.